Finanzielles und Co

Wann beantrage ich welche finanzielle Hilfe?

Vor der Geburt sollte an folgendes gedacht werden:

  • Info an den Arbeitgeber: wann der voraussichtliche Geburtstermin ist. Damit treten alle Mutterschutzbestimmungen am Arbeitsplatz in Kraft.
  • Info an die Krankenkasse – während der Schwangerschaft bei der Krankenkasse die Bescheinigung deines Arztes abgeben. Damit bekommst du die gesetzlichen Mutterschaftsleistungen (siehe Mutterschaftsgeld).
  • Antrag auf Elternzeit: Die Elternzeit muss spätestens 7 Wochen vor ihrem Beginn schriftlich beim Arbeitgeber angemeldet werden.
  • Antrag auf Unterstützung bei finanziellem Engpass: Leistungen der Bundesstiftung für Erstausstattung können je nach Einkommenssituation der Familie, beantragt werden, am besten bei der Schwangerenberatungsstelle vor Ort nachfragen
  • Vorbereitung der Anträge für Kindergeld und Elterngeld – dann hast du nach der Geburt mehr Zeit für dich und dein Kind

Nach der Geburt sollte an folgendes gedacht werden:

  • Kindergeld beantragen (siehe auch Kindergeld)
  • Elterngeld beantragen (siehe auch Elterngeld)
  • Reicht das Geld? Oder braucht es noch zusätzliche finanzielle Unterstützung (Wohngeld, Kindergeldzuschlag, ergänzend Alg II)?
  • Kind anmelden und Geburtsurkunde beim Bürgerbüro/Rathaus
     
  • Mutterschaftsgeld
    Mutterschaftsgeld erhalten erwerbstätige Frauen. Es wird in der Regel 6 Wochen vor und 8 Wochen nach der Geburt (bei Früh- und Mehrlingsgeburten 12 Wochen) gezahlt. Bei der Geburt eines Kindes mit Behinderung kann eine Verlängerung auf 12 Wochen beantragt werden.
    Mutterschaftsgeld kannst du mit einer entsprechenden Bescheinigung (über Entbindungstermin und Beginn des Mutterschutzes) deines Frauenarztes/deiner Frauenärztin beantragen. Diese Bescheinigung darf frühestens eine Woche vor Beginn der Schutzfrist, ausgestellt werden. Das um deine Angaben ergänzte Formular reichst du bei deiner Krankenkasse ein. Die Mitarbeitenden der Krankenkasse werden dann die spezielle Verdienstbescheinigung bei deinem Arbeitgeber anfordern, das Mutterschaftsgeld errechnen und für die Zeit bis zum voraussichtlichen Entbindungstag an dich zahlen. Die weitere Zahlung erfolgt dann, wenn du die Geburtsbescheinigung deines Kindes bei der Krankenversicherung einreichst. Auch dein Arbeitgeber braucht eine Bescheinigung vom Arzt über den voraussichtlichen Geburtstermin, um deine Mutterschutzfrist zu planen und seinen Anteil des Mutterschaftsgeldes (in Abstimmung mit der Krankenversicherung) zu bezahlen.
    Das Mutterschaftsgeld von der Krankenkasse beträgt 13,00 € kalendertäglich. Ergänzt durch den Arbeitgeberanteil wird der durchschnittliche Nettolohn bzw. ALG I ausgezahlt.
    Frauen, die einer geringfügigen Beschäftigung (Minijob) nachgehen und über den Ehemann familienversichert sind oder privat krankenversichert sind, haben Anspruch auf Mutterschaftsgeld vom Bundesversicherungsamt. Antragsformulare können telefonisch oder schriftlich bestellt werden: Friedrich- Ebert-Str. 38, 53113 Bonn, Telefon 0228/ 6291888 oder per Internet unter www.bva.de.Weitere Informationen: www.bundesversicherungsamt.de.
    Bei allen Fragen des Arbeitsschutzes und bei Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber während Schwangerschaft und Elternzeit ist das Regierungspräsidium Karlsruhe mit der Fachstelle Mutterschutz ein wichtiger Ansprechpartner, Tel. 0721/926-4159.

Überblick über Mutterschaftsgeld in Abhängigkeit deiner Beschäftigung:

Mitglied einer gesetzlichen Krankenversicherung:
Die Arbeitnehmerin erhält von der gesetzlichen Krankenversicherung pro Tag 13 € plus einen Arbeitgeberzuschuss in Höhe der Differenz zum durchschnittlichen Nettoeinkommen

Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung mit einer geringfügigen Beschäftigung:
In der Regel erhält die Arbeitnehmerin von ihrer gesetzlichen Krankenversicherung pro Tag 13 € plus den Arbeitgeberzuschuss in Höhe der Differenz zum durchschnittlichen Nettoeinkommen

Familienversichert in der gesetzlichen Krankenversicherung mit geringfügiger Beschäftigung:
Das Mutterschaftsgeld von einmalig bis zu 210 € wird durch das Bundesversicherungsamt ausgezahlt plus einen (evtl. sehr geringen) Arbeitgeberzuschuss in Höhe der Differenz zwischen 13 € und dem durchschnittlichen Nettoeinkommen

In der privaten Krankenversicherung Versicherte:
Das Mutterschaftsgeld von einmalig bis zu 210 € wird durch das Bundesversicherungsamt ausgezahlt plus einenArbeitgeberzuschuss in Höhe der Differenz zwischen 13 € und dem durchschnittlichen Nettoeinkommen

Frauen, deren Arbeitsverhältnis während der Schwangerschaft vom Arbeitgeber zulässig aufgelöst wurde:
13 € kalendertäglich Mutterschaftsgeld, der Arbeitgeberzuschuss wird von der Krankenkasse oder vom Bundesversicherungsamt ausgezahlt

Mitglieder einer gesetzlichen Krankenversicherung im Alg II-Bezug ohne Einkommen und Frauen ohne Erwerbstätigkeit:
Keine Mutterschaftsleistungen

Privat krankenversicherte selbstständige Frauen, die eine Krankenentgeldversicherung abgeschlossen haben: Anspruch auf Zahlung des vereinbarten Krankentagegeldes besteht während der Mutterschutzfristen

  • Mutterschutz

Mutterschutz ist die Zeit vor und nach der Geburt, in der die Mutter unter einem besonderen Schutz steht (Mutter und Kind sollen vor Gefährdungen der Gesundheit sowie Überforderung am Arbeitsplatz, vor finanziellen Einbußen und vor dem Verlust des Arbeitsplatzes geschützt werden). Der Mutterschutz beginnt in der Regel 6 Wochen vor der Geburt und endet 8 Wochen nach der Geburt (bei Früh- und Mehrlingsgeburten 12 Wochen nach Geburt). Bei der Geburt eines Kindes mit Behinderung kann eine Verlängerung auf 12 Wochen beantragt werden.
In allen Fragen des Arbeitsschutzes und bei Schwierigkeiten mit dem Arbeitgeber/Ausbildungsbetrieb während der Schwangerschaft ist die Fachstelle Mutterschutz im Regierungspräsidium Karlsruhe eine gute Ansprechpartnerin: Telefon 0721 926-4159, E-Mail: mutterschutz@rpk.bwl.de.

  • Elterngeld

Eltern können mit den Bausteinen Basiselterngeld, ElterngeldPlus und Partnerschaftsbonus die Elternzeit flexibel gestalten.
Das Basiselterngeld wird bei der Betreuung durch ein Elternteil bis zum 12. Lebensmonat des Kindes in Höhe von ungefähr 65% des durchschnittlichen Einkommens gezahlt. Es beträgt mindestens 300,00 € und maximal 1800,00 €. Bei Betreuung durch den anderen Elternteil werden zusätzlich 2 Monate, also ingesamt 14 Monate gewährt. Eine Berufstätigkeit bis zu 30 Std. wöchentlich ist möglich, das Elterngeld wird aufs Basiselterngeld angerechnet.
Das Mutterschaftsgeld wird auch auf den Elterngeldanspruch angerechnet.
Du erhältst einen Geschwisterbonus von mindestens 75 € solange ein weiteres Kind unter 3 Jahren im Haushalt lebt.
Das ElterngeldPlus bringt Vorteile für Eltern, die Elterngeld und Teilzeitarbeit miteinander kombinieren möchten. Es beträgt monatlich maximal die Hälfte des Basiselterngeldes, das den Eltern ohne Teilzeiteinkommen nach der Geburt zustünde und wird für den doppelten Zeitraum gezahlt. Ein Elterngeldmonat sind zwei ElterngeldPlusmonate.
Der Partnerschaftsbonus gewährt jedem Elternteil mindestens vier zusätzliche ElterngeldPlusMonate, wenn Mutter und Vater mindestens vier Monate gleichzeitig zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten. Auch Alleinerziehende erhalten diese vier zusätzlichen Monate, wenn sie in Teilzeit zwischen 25 und 30 Wochenstunden arbeiten.
Wenn du ALG II, Kinderzuschlag oder Sozialhilfe beziehst und vor der Geburt kein Erwerbseinkommen hast, wird das Elterngeld komplett als Einkommen gerechnet.
Wenn du Fragen zum Elterngeld hast kannst du dich beraten lassen bei der gebührenfreien Hotline der L-Bank 0800 - 6645471.
Antragsformulare für Elterngeld bekommst du im Internet, beim Bürgerbüro oder Rathaus. Der Antrag wird gemeinsam mit den erforderlichen Unterlagen (Geburtsurkunde für Elterngeld) an die L-Bank 76133 Karlsruhe geschickt.

  • Elternzeit

Die Elternzeit kann im Anschluss an die Geburt genommen werden. Sie soll dir und deinem Partner ermöglichen zur Betreuung eures Kindes weniger bzw. gar nicht zu arbeiten.
Ein Anspruch auf Elternzeit besteht über drei Jahre, die bis zum 8ten Geburtstag des Kindes genommen werden können. Die insgesamt drei Jahre Elternzeit pro Kind können variabel genommen werden. Lass dich beraten, wenn du dazu Fragen hast.
Es bedarf nicht der Zustimmung vom Arbeitgeber, allerdings gibt es ein paar Regeln für die Anmeldung:
- Spätestens sieben Wochen vor ihrem Beginn muss die Elternzeit schriftlich beim Arbeitgeber angemeldet werden.
- Eine Bestätigung des Arbeitgebers über die Anmeldung wird empfohlen.
- Beginn und Ende der Elternzeit sollten mit genauen Daten versehen werden.
- Mit der Anmeldung muss man sich verbindlich festlegen für welche Zeiträume innerhalb der ersten zwei Jahre Elternzeit genommen werden soll.
- 24 Monate von dem Anspruch können auch zwischen dem dritten und achten Geburtstag genommen werden, wenn keine dringenden betrieblichen Gründe dagegen sprechen. Die Anmeldung dafür ist 13 Wochen davor notwendig.
Weitere Infos findest du auch in der Borschüre Elterngeld, ElterngeldPlus und Elternzeit vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

  • Krankenversicherung

Die Regelungen der Krankenversicherungen sind sehr unterschiedlich. Bitte informiere dich rechtzeitig, wie du nach der Geburt versichert bist und welche Leistungen du in Anspruch nehmen kannst.

  • Kindergeld

Kindergeld wird nach der Geburt des Kindes bei der Familienkasse (Familienkasse Karlsruhe, Kriegstrasse 100, 76133 Karlsruhe) beantragt.
Das Kindergeld beträgt 194 € für die ersten beiden Kinder, 200 € für das dritte Kind und ab dem vierten Kind 225 € pro Monat.
Du kannst das Formular auch online ausfüllen und dann ausdrucken und mit den nötigen Unterlagen bei der Familienkasse abgeben.

  • ALG II

Wer seinen Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen bestreiten kann, hat u.U. Anspruch auf Arbeitslosengeld II, (ALG II, Hartz 4). Dies ist zu beantragen beim zuständigen Jobcenter:

Jobcenter Rastatt, Karlstr. 18 in 76437 Rastatt
Jobcenter Landkreis Rastatt, Luisenstr. 41, 76571 Gaggenau

Bezieher von diesen Leistungen können zusätzlich während der Schwangerschaft beim zuständigen Jobcenter folgendes beantragen:
- Mehrbedarf wegen Schwangerschaft
- Einmalige Beihilfen für die Schwangerschaftsbekleidung
- Babyerstausstattung, wird in zwei Teilbeträgen ausgezahlt, der erste vor der Geburt und der zweite zwischen dem 7. und 12. Lebensmonat des Kindes. Zweiten Antrag nicht vergessen!
- Leistungen für Bildung und Teilhabe (z.B. Zuschuss zur Mittagsverpflegung in Kitas)

Weil der Antrag auf ALG II kompliziert ist und die Voraussetzungen in jedem Einzelfall anders liegen können, empfiehlt das Diakonische Werk, sich vor der Antragstellung in einer unserer Beratungsstellen individuell beraten zu lassen.
Anspruch auf ALG II haben auch alleinerziehende Frauen, die ihre kleinen Kinder betreuen und deshalb vorübergehend nicht arbeiten können.

  • Wohngeld

Bei niedrigem Einkommen jedoch ohne Anspruch auf ALG II, besteht die Möglichkeit, Wohngeld als Miet- bzw. Lastenzuschuss zu beantragen. Antragsformulare gibt es bei der Wohngeldstelle, die dir auch ausrechnen kann, ob ein Anspruch besteht.

  • Kindergeldzuschlag

Kindergeldzuschlag kannst du beantragen, wenn du nur ein geringes Einkommen hast (900,00 € pro Ehepaar, 600,00 € bei Alleinerziehenden). Der Antrag wird bei der Familienkasse in Karlsruhe gestellt.

  • Haushaltshilfe

Fällt die den Haushalt führende Person für Kinder unter 12/14 Jahren vorübergehend wegen Erkrankung oder Rehabilitation aus, dann kann bei der Krankenkasse/Rentenversicherung eine Haushaltshilfe beantragt werden.
Hilfe bei der Beantragung und Vermittlung gibt es beim Caritasverband Rastatt e.V., Frau Lippert 07223-939030 oder bei der AWO Rastatt 07222-103335.

  • Leistungen der Bundesstiftung Mutter und Kind

Die Bundesstiftung hilft schnell und unbürokratisch schwangeren Frauen, die finanzielle Unterstützung benötigen.
Voraussetzungen dafür sind:
- Wohnsitz in Deutschland
- Mutterpass mit der Eintragung ab/nach der 15ten SSW
- Finanzielle Notlage, dazu wird das Einkommen bzw. weitere Unterstützungsmöglichkeiten berücksichtigt
Der Antrag kann bei einer anerkannten Schwangerschaftsberatungsstelle gestellt werden. Er muss vor Geburt gestellt sein.

Zur Beratung solltest du mitbringen:
- Mutterpass,
- Personalausweis oder Pass
- Mietvertrag
- Lohnabrechnungen der letzten sechs Monate von dir (und deinem Partner, wenn ihr zusammen wohnt)
- Nachweise über weitere Einkünfte, z.B. Wohngeld, Kinderzuschlag
- Nachweise über Riestervertrag, falls es einen gibt
- Nachweise über Kinderbetreuungskosten, falls es welche gibt
- Nachweise über weitere Verpflichtungen, z.B. Unterhaltstitel